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Am 13. und 27. April 2015 durften einige Mitglieder der CampusGrünen und der Hochschulgruppe für Tierrechte der CAU Kiel das Victor-Hensen-Haus in der Hermann-Rodewald-Straße 12 besichtigen. Hierfür vielen Dank.

In diesem Haus wird der Großteil der Versuchstiere der CAU gehalten und Tierversuche für verschiedene Institute durchgeführt (Biologie, Ökotrophologie, Agrarwissenschaften, (Human-)Medizin.

Für die Tiere zuständig sind die zwei Tierschutzbeauftragten (http://www.tierschutz.uni-kiel.de/de) Prof. Dr. Schultheiß und Frau Vieten und ein Team von ausgebildeten Tierpfleger_innen. Ein_e Tierpfleger_in kümmert sich um ca. 1.000 Mäuse oder um eine dem Aufwand entsprechende Anzahl anderer Tiere.

Im Victor-Hensen-Haus werden aktuell ca. 5.000 Mäuse, 4 Schweine, 5 Kühe, 5 Schafe und ca. 100 Ratten gehalten. Die Tiere sind teils selbst gezüchtet, bestellt (der größte Anbieter für Versuchstiere ist Jackson Laboratory, USA, http://www.jax.org/) oder von direkten Partnern erhalten. Das Gebäude ist schon relativ alt, so lässt sich beispielsweise das Raumklima und die Luftfeuchtigkeit nicht richtig regulieren, bald wird es jedoch einen Neubau geben, der u.a. auch dem neuesten Hygiene-Standard entsprechen kann. Es gibt noch weitere Einrichtungen, in denen u.a. Geckos, Kröten und Frösche, Fische und Krebse für Tierversuche gehalten werden. Zusätzlich zu der Tierhaltung an der CAU hat die Uniklinik eine eigene Tierhaltung.

Zu den Tierversuchen, die an den verschiedenen Tieren durchgeführt werden, zählen u.a. Grundlagenforschung (http://www.peta2.de/web/tierversuche_in_der.642.html), Nahrungsforschung (Stoffwechsel), Versuche für die Biochemie, Physiologie, Anatomie, Dermatologie, Kardiologie, und angewandte klinische Forschung, z.B. Krebs-, Tumor- und Alzheimer-Forschung an genveränderten Mäusen.

Das Victor-Hensen-Haus besteht zu einem Großteil aus Räumen, in denen Mäuse gehalten werden. Die Mäuse werden in Gruppen von 2 bis 5 Tieren in schuhkartongroßen durchsichtigen Plastikboxen, die standardmäßig für derartige Tierversuche verwendet werden, gehalten. Die Boxen sind an ein Luftfiltersystem angeschlossen und sehr eng sowohl über- als auch nebeneinander angebracht, sodass mehrere Hundert Mäuse in einen Raum passen.

So ähnlich sehen auch die Maus-Räumlichkeiten im Victor-Hensen-Haus aus. Fotos durften dort jedoch nicht gemacht werden. Quelle: http://bit.ly/1KFVLme

Zusätzlich zu den Maus-Räumlichkeiten gibt es mehrere Stallungen für Schweine, Schafe und Kühe. Die Schweine leben in den ehemaligen Hundezwinger-Anlagen und haben einen kleinen Auslauf auf einen Beton-Platz. Die Schafe haben keinen Auslauf, da sie über die Zäune springen können. Die Kühe werden im Regelfall einmal am Tag im Innenhof ausgeführt, ansonsten stehen sie tagsüber in Anbindehaltung und haben eine Öffnung in der Bauchwand zum Pansen (http://de.wikipedia.org/wiki/Fistulierung).

Quelle: http://bit.ly/1HE4PBV

Neben den Unterbringungs-Möglichkeiten für die Tiere gibt es einen gut ausgestatteten OP, ähnlich denen in Tierarztpraxen. Den Tieren werden hier unter Narkose beispielsweise Zahnprothesen oder künstliche Herzklappen eingesetzt. Organentnahmen werden nach der Tötung der Tiere durchgeführt und sind für Ratten und Mäuse der Regelfall. Die Mäuse werden so beispielsweise zwischen und 10 und 12 Wochen alt, die Schweine ca. 32 Wochen; bei ihnen wird vor allem Urin und Kot untersucht und es werden Knochenentnahmen bzw. Knochenreplantationen durchgeführt. Es herrscht in diesen Fällen also eine sehr hohe Fluktuation im Tierbestand. Die Kühe sterben eines natürlichen Todes.

Laut Prof. Dr. Schultheiß sei an dieser Stelle aber auch praktizierter Tierschutz zu beobachten: Die für die Organentnahmen getöteten Mäuse werden einem Falkner zur Verfügung gestellt, sodass dieser keine Futtermäuse für seine Falken kaufen muss.

 

Wer an der CAU Kiel einen Tierversuch durchführen will, muss zuvor Kurse bei den Tierschutzbeauftragten zum Handling der Tiere und adäquater Versuchsdurchführung belegen. Bei rechtlichen oder anderen Fragen stehen Prof. Dr. Schultheiß und Frau Vieten zur Verfügung.

 

Bei Fragen zu unseren persönlichen Eindrücken oder für einen detaillierteren Bericht darf sich gerne an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! gewendet werden.

Auf die Sinnhaftigkeit von Tierversuchen wird an dieser Stelle nicht eingegangen, die Homepage von Ärzte gegen Tierversuche e.V. bietet hier vielfältige Informationen: http://www.aerzte-gegen-tierversuche.de/de/. Zusammengefasst sind sie auch in unserem eigenen Artikel „Produkte ohne Tierversuche“ zu finden: http://hsgt.de/aktuelle-artikel/2-einzelne-artikel/85-produkte-ohne-tierversuche.html